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Erwachsene - psychische Gesundheit

Psychisch gesund zu sein ist nicht selbstverständlich und eine lebenslange Herausforderung. Die psychische Gesundheit hängt vom Zusammenspiel zwischen Ressourcen und Belastungen ab. Sie entsteht, wenn sich Ressourcen und Belastungen im Gleichgewicht befinden oder die Ressourcen gesamthaft stärker ausgeprägt sind. Wir können alle etwas für unsere psychische Gesundheit tun!

> Stärken Sie Ihre psychische Gesundheit mit den nachfolgenden Empfehlungen!

Eltern und Bezugspersonen - die psychische Gesundheit von Kleinkindern ist eng verwoben mit dem Gesundheitszustand, dem Befinden und Verhalten der engsten Bezugspersonen. Die Grundlage für die psychische Gesundheit wird in den Jahren der frühen Kindheit (0-4 Jahre) gelegt. In den ersten Jahren ist die Eltern-Kind-Beziehung besonders zentral.

> Stärken Sie die psychische Gesundheit Ihrer (Klein-)Kinder mit den nachfolgenden Empfehlungen!

Pflegende und betreuende Angehörige - Was sie tagtäglich leisten ist von unbezahlbarem Wert und verdient den grössten Respekt und Dank! Vergessen Sie sich dabei selbst nicht und achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

 

Psychische Gesundheit stärken

Bewegung und Aktivität sollen Spass und Freude machen. Bewegung fördert mein körperliches und mentales Gesundsein und ist ein notwendiger Gegenpol zur Überreizung durch Überinformation, Arbeitsstress und gesteigertem Lebenstempo.

  • Welche Bewegungsarten machen mir Spass?
  • Bewege ich mich täglich ca. 30 Min. bei mittlerer Intensität (Puls und Atmung leicht beschleunigt)?

Mit Freunden bin ich vertraut, wir können lachen und streiten. Freunde ermöglichen mir, so zu sein, wie ich bin. Freunde sind da, wenn ich sie brauche, und ich bin da, wenn sie mich brauchen.

  • Mit wem will ich meine freie Zeit gestalten? Wer tut mir gut?
  • Was bin ich bereit, in eine Freundschaft einzubringen?

Zeit zum Nichtstun ist wichtig. Vielleicht muss ich wieder lernen, einen Gang herunter zu schalten. Schlaf ist ein wichtiger Gesundheitsfaktor – ausgeschlafen bin ich gesünder, schlauer, effektiver, kreativer und auch schöner.

  • Habe oder nehme ich im Alltag Freiraum für bewusste Entspannung?
  • Habe ich einen Ort, um wirklich zur Ruhe, zu mir zu kommen?

Als wertvoller Teil der Gemeinschaft bin ich nicht nur Teil-Nehmer, sondern auch Teil-Geber. So entsteht aus vielen Einzelnen ein gemeinsames «Wir». Gemeinschaft fordert aber auch Mut zur Begegnung. Es gehört zu den wichtigsten Lebenserfahrungen, Teil einer Gemeinschaft zu sein und Solidarität zu erfahren.

  • Gibt es eine Gemeinschaft, Verein, Organisation, an der ich mich beteiligen will?
  • In welcher Gruppe fühle ich mich akzeptiert und wertgeschätzt?

Durch kreatives Tun kann ich Eindrücke zum Ausdruck bringen. Viele Sehnsüchte, Wünsche, Gedanken, Ängste und Bedürfnisse sind mit Worten schwierig auszudrücken. Durch kreatives Gestalten kann ich diesen Gefühlen eine Form verleihen. Kreativität schafft auch einen Ausgleich und ich kann Kreativität als persönliche Kraftquelle erleben.

  • Wo kann ich mich kreativ ausleben?
  • Was kann ich besonders gut? (z.B. kochen, singen, malen, gärtnern, basteln usw.)

Neues zu lernen ist eine Entdeckungsreise, die mich aus dem Alltag herausführen, mir neue Horizonte eröffnen und mein Selbstwertgefühl heben kann. Ich lerne nicht nur mit dem Hirn, sondern mit all meinen Sinnen.

  • Was will ich gerne können? Was unterstützt mich, es zu lernen?
  • An was habe ich besonderes Interesse?

Es ist menschlich, dass ich sowohl Freuden als auch Sorgen mitteilen will. Das setzt voraus, dass jemand da ist, der mir zuhört. So werden Sorgen geteilt und Freude verdoppelt. Darüber reden ist ein Schritt zur Gesundheit. «Ich will dich verstehen» ist eine wichtige Grundeinstellung für ein echtes Gespräch.

  • Wer hört mir zu, wenn es mir gut oder schlecht geht?
  • Wie kann ich mir heute Zeit nehmen, um mit jemandem ein Gespräch zu führen?

Es gibt Menschen, die mir helfen wollen, wenn ich mich ihnen anvertraue. Ich darf mir Hilfe holen. Hilfe zu holen heisst auch Vertrauen zu haben und stark zu sein.

  • Vertraue ich darauf, dass es Hilfe gibt, wenn ich darum bitte?
  • Kann ich akzeptieren, dass Menschen Aufgaben anders lösen?

Es gibt viele Dinge, welche meine Freude im Leben rauben können. Die meisten dieser Dinge sorgen für eine innere Unruhe und rauben meine Energie. Je mehr ich mein Leben schätze und meinen eigenen Gefühlen vertraue, desto leichter kann ich mich von diesen Dingen abgrenzen und trennen.

  • Aus welchen Fehlern kann ich lernen und wachsen?
  • Was sind mir die drei wichtigsten Dinge im Leben?

Mich annehmen heisst, zu meinen Fähigkeiten zu stehen, meine Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Es heisst, meinen Körper und seine Signale wahrzunehmen und Entscheidungen zu treffen, die mir gut tun.

  • Wo bin ich mit mir zufrieden?
  • Was ist mir heute gelungen, worüber ich mich freuen kann?

Der Verdacht ist jahrtausendealt: Was ich esse, beeinflusst nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Psyche. Gesunde und ausgewogene Ernährung tun Körper, Geist und Seele gut. Zudem macht gemeinsames Essen Freude und spricht alle Sinne an.

  • Welche Früchte / Gemüse schmecken mir besonders?
  • Mit wem macht mir das Essen besonders viel Freude?

Was ist der Sinn meines Lebens? Woher komme ich und wohin gehe ich? Jeder Mensch hat Werte nach denen er handelt und sein Leben ausrichtet. Werte oder auch Wertvorstellungen sind Eigenschaften oder Qualitäten, die ich als wertvoll und erstrebenswert für mein Leben betrachte. Sie geben mir Sinn, Orientierung und Halt. Sich alleine oder in der Gemeinschaft mit Werten auseinanderzusetzen, beeinflusst mein Wohlbefinden und meine Lebenszufriedenheit auf positive Weise.

  • Welches sind meine 3 wichtigsten Werte im Leben?
  • Wie kann ich diese Werte in meinem Alltag leben?

Diese Empfehlungen sind übernommen aus der Kampagne «10 Schritte für psychischen Gesundheit» von Gesundheitsförderung Uri (2012-2018). Weitere Informationen zur Kampagne finden Sie hier.

Frühe Kindheit (0 - 4 Jahre / Empfehlungen für Eltern und Bezugspersonen)

Existenziell abhängig sein

Kleine Kinder sind abhängig von der Fürsorge der Erwachsenen. Sie können noch nicht für sich selber sorgen und ihre körperlichen und psychischen Bedürfnisse nicht selber stillen. Säuglinge und Kleinkinder benötigen die Anwesenheit von vertrauten Erwachsenen, die verlässlich auf ihre Bedürfnisse reagieren und sie vor unangenehmen, schädlichen Einflüssen und Gefahren schützen.

Mehrere Bezugspersonen

Von Vorteil ist, die Betreuung eines kleinen Kindes auf mehrere Bezugspersonen - Mütter, Väter, Grosseltern, weitere Familienmitglieder und/oder Personen der familienergänzenden Kinderbetreuung - zu verteilen. Mit mehreren Personen ist eine durchgängige Betreuung besser gewährleistet. So macht das Kind vielfältige Erfahrungen, während die Erwachsenen auch anderen Tätigkeiten nachgehen und sich erholen können. Das Kind profitiert von dieser Situation, solange sie nicht zu unübersichtlich wird, die Wechsel nicht zu stressreich sind und die Betreffenden genügend miteinander harmonieren.

Kleinkinder verlassen sich auf vertraute Personen. Um sich bei einer neuen Person ebenfalls sicher und geborgen zu fühlen, braucht es Unterstützung und Begleitung beim Kennenlernen. Insbesondere stellt das Übernachten bei noch nicht genügend vertrauten Personen eine Herausforderung für ein kleines Kind dar.

Längere, abrupte und erzwungene Unterbrüche des Zusammenseins mit vertrauten Bezugspersonen oder andauernde, erhebliche oder gar gewalttätige Konflikte unter Erwachsenen verunsichern kleine Kinder, gefährden die psychische Gesundheit und hemmen die Entwicklung. Je jünger ein Kind ist, umso mehr benötigt es die Gewissheit, dass vertraute Bezugspersonen in absehbarer Zeit verfügbar sind und das Zusammensein mit ihnen sich sicher anfühlt. Grundsätzlich gilt dies für die gesamte Kindheit.

Aufmerksamkeit, Freude und liebevolle Berührungen

Kinder brauchen positive Aufmerksamkeit von Erwachsenen, um sich wertvoll zu fühlen. Echte Freude am Zusammensein und Vertrauen in seine Fähigkeiten stärken das Kind und ermöglichen ihm, sich gut zu entwickeln. Am besten gelingt dies, wenn die betreuenden Personen dem Kind zwischendurch ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.

Auch liebevolle körperliche Berührungen, wie Halten, Tragen und Streicheln, lösen positive Gefühle aus. Ein kleines Kind benötigt solche Körperkontakte. Körperliche Berührungen werden dann zur Qual, wenn die persönlichen Grenzen nicht respektiert werden. Und wird ein verbal oder nonverbal geäussertes Nein des Kindes wiederholt übergangen, löst das Verunsicherung aus.

Emotionalen Trost finden

Kleinkinder sollten weder lange weinen müssen noch alleingelassen werden. Wenn ein Kind weint, drückt es sein Unbehagen aus und macht darauf aufmerksam, dass es nicht selbst etwas für sein Wohlgefühl tun kann. Bereits Säuglinge kennen Wege, wie sie sich selber trösten können. Kleine Kinder müssen auf eine Bezugsperson zählen können, die emotionalen Trost bringt und auf körperliches Unbehagen eingeht.

Durch die zuversichtliche, liebevolle Anwesenheit von Erwachsenen und durch beruhigendes Reden, Streicheln, Halten, Wiegen oder Ablenken lassen sich Kinder wieder beruhigen. Oft tragen auch ältere Geschwister oder andere Kinder zum Trost des Kindes bei. Mit der nötigen Unterstützung lernen Säuglinge und Kleinkinder Möglichkeiten kennen, um sich selber zu beruhigen - eine wichtige Komponente der psychischen Gesundheit.

Langeweile, Enttäuschung und Ärger

Kinder benötigen nicht nur Zuwendung, wenn sie Hunger und Schmerzen haben oder müde sind, sondern auch, wenn sie aus Gefühlen wie Langeweile, Enttäuschung oder Ärger nicht alleine herausfinden.

Beziehung herzustellen bedeutet, miteinander reden, sich austauschen und Bedürfnisse mitteilen. Bei kleinen Kindern verhält es sich gleich, auch wenn sie sich zu Beginn noch nicht verbal ausdrücken können. Die Sprachentwicklung verläuft in der frühen Kindheit beeindruckend schnell. Selbst Säuglinge verstehen bereits verschiedene Facetten der Sprache.

Worte finden für Gefühle und Bedürfnisse

Erwachsene unterstützen die kindliche Entwicklung, indem sie mit dem Kind sprechen und Gefühlszustände und Bedürfnisse, die es selbst noch nicht äussern kann, in Worte fassen. Mit der Zeit gelingt es dem Kind, eigene Worte zu finden.

Von lustigen Plaudereien zum Dialog

Bald entstehen lustige Plaudereien und Sprachspiele. Nach und nach werden alltägliche Gespräche und Dialoge möglich. Kinder und Erwachsene teilen sich einander verbal mit und stimmen so ihre Bedürfnisse und Anliegen aufeinander ab. Kinder fühlen sich auf diese Weise ernst genommen und Beziehungen vertiefen sich.

Erklären, was um das Kind herum passiert

In gewisser Weise sind Säuglinge und Kleinkinder den Stimmungen und Handlungen der Erwachsenen ausgeliefert und können sich ihnen nicht entziehen. Überdies erleben sie viel Neues. Darum ist es wichtig, Kindern zu erklären, was mit ihnen und um sie herum passiert - also ihnen die Alltagshandlungen, die momentane Stimmung sowie das Beziehungsgeschehen zu erklären. Für Kleinkinder ist es hilfreich, zu wissen, dass die Mutter oder der Vater heute müde ist und deshalb nicht wie sonst reagieren mag.

Erklärungen braucht es auch bei Veränderungen. Beispielsweise wenn das Kind neu in eine Kita gehen soll, ein Geschwister zur Welt kommt oder Eltern sich trennen. Oder wenn in Zusammenhang mit dem Kind Missverständnisse, irritierende Momente oder schwierige, belastende Situationen entstehen. Wenn es beispielsweise Streit gibt, Eltern krank werden oder sich psychisch unter Druck fühlen. Solange Kinder Zusammenhänge nicht verstehen, suchen sie nach eigenen Erklärungen und sehen sich möglicherweise als Verursacher der Schwierigkeiten.

Kleinkinder entdecken die Welt spielerisch. Neugierig beginnt das Kind in den ersten Lebensmonaten, sich selber und einfache Gegenstände zu erkunden. Es folgt seiner Neugier und lernt seine Fähigkeiten bewusst einzusetzen. Auf diese Weise erfährt das Kind viel über sich und seine Umgebung. Immer mehr drückt es sich auch über das Spiel aus und verarbeitet Erlebnisse und zwischenmenschliche Erfahrungen.

Freiraum und Anregung fürs Spiel

Kleine Kinder benötigen Freiraum, damit sie ihren Eingebungen folgen und eigene Erfahrungen sammeln können. Ebenso brauchen sie Begleitung und Anregung, um auf neue Ideen zu kommen, Fertigkeiten zu erweitern, Hindernisse zu überwinden und Grenzen zu erkennen.

Gemeinsames Spiel als eine Art Dialog

Das Gefühl von Vertrautsein entwickelt sich, wenn das Zusammensein gemeinsame Bestätigungen beinhaltet und das Kind in Alltagshandlungen wie Kochen oder Putzen einbezogen wird. Gemeinsamkeit entsteht auch durch das Spielen. Lassen Erwachsene sich darauf ein, entsteht im Fluss von aufeinander abgestimmten Spielhandlungen und Impulsen ein gemeinsames Spielerleben, eine Art Dialog.

Die Balance zwischen Freiraum und Anregung, gemeinsam verrichteten Tätigkeiten oder gemeinsamem Spiel muss ständig neu ausgelotet und den Bedürfnissen des Kindes angepasst werden.

Kinder möchten mit Personen in Beziehung treten und ihren Beziehungsradius erweitern. Sie brauchen Kontakte mit Kindern unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Erwachsenen.

Sich selbst kennenlernen, Freundschaften bilden und seinen Platz finden

Zu einer gesunden kindlichen Entwicklung gehört das Zusammensein mit gleichaltrigen, älteren und jüngeren Kindern. Im gemeinsamen Spiel lernen Kinder sich selbst, Fähigkeiten, Grenzen und Gemeinsamkeiten kennen. Zunehmend finden sie einen Platz in ihrer Altersgruppe. Aus Spiel-Partnerschaften werden langsam Freundschaften.

Wenn Kinder zusammen spielen, entsteht Fröhlichkeit und Unbeschwertheit - eine Grundlage des sozialen Wohlbefindens. Selbstverständlich läuft nicht immer alles reibungsfrei ab. Unterschiedliche Wünsche oder die Notwendigkeit, Spielgegenstände oder die Aufmerksamkeit der Bezugspersonen teilen zu müssen, können zu Konflikten führen. Der Umgang miteinander will gelernt sein.

Obwohl kleine Kinder noch eng an ihre eigenen Bezugspersonen gebunden sind, beginnen sie bald, Interesse an weiteren Erwachsenen zu entwickeln. Neue Bezugspersonen helfen dem Kind, sich aus der Nähe zu Mutter und Vater etwas zu lösen, was ebenfalls notwendig ist für eine gesunde psychische Entwicklung.

Eigene Ideen und Wünsche entwickeln - Herausforderungen alleine schaffen

Das Erlangen von Selbständigkeit fängt im Säuglings- und Kleinkindalter an und kann als innerer Motor für die kindliche Entwicklung angesehen werden. Auch sehr kleine Kinder entwickeln eigene Ideen und Wünsche. Dinge, die ihren Fähigkeiten entsprechen, möchten sie selber machen und neue Herausforderungen alleine meistern. Dies wiederum ermöglicht nächste Entwicklungsschritte.

Während Säuglinge noch sehr auf Vorgaben aus der Erwachsenenwelt reagieren und versuchen, sich anzupassen, verteidigen sich Kleinkinder ihre Autonomie teils heftig. Fühlt sich das Kind begrenzt, reagiert es enttäuscht, verärgert und wütend. Aus Erwachsenensicht wird dieses Verhalten mit «Trotz» umschrieben.

Grenzen der Autonomie erleben

Die Beschneidung der eigenen Autonomie durch andere Menschen und äussere Gegebenheiten ist eine schmerzliche Erfahrung, die kleine Kinder manchmal an ihre emotionalen Grenzen bringt. Wichtig ist, dass Erwachsene klar und respektvoll unumgängliche Grenzen aufzeigen. So können Kinder lernen, Begrenzungen zu erkennen und sich daran zu orientieren, ohne dass ihr Selbstwertgefühl leidet.

Vielfach gibt es in einer Situation Wahlmöglichkeiten, Auswege oder Ablenkungen,  die dem jungen Kind helfen, seine Frustration zu überwinden. Um Kindern Raum für selbständiges Fühlen, Denken und Handeln zu gewähren, brauchen Erwachsene Flexibilität, Geduld, Zuversicht und eine ausgewogenen Mischung aus Aufmerksamkeit und Loslassen.

Das körperliche Befinden beeinflusst das emotionale Wohlergehen - und umgekehrt. Wenn der Bauch schmerzt oder der Hunger quält, ist das Kind auf jemanden angewiesen, der prompt reagiert. Sobald das körperliche Wohlgefühl wiederhergestellt ist, kommt auch das emotionale Wohlbefinden ins Gleichgewicht. Auf diese Weise bauen Personen, die das Kind regelmässig und gut versorgen, eine enge Beziehung zu ihm auf. Beim Stillen werden das Zusammenspiel von körperlichem und emotionalem Wohlbefinden sowie die Beziehungsbildung zur Mutter sichtbar.

Freude am Essen unterstützen - Körpergefühle wahrnehmen

Im Kleinkindalter verändert sich der Bedarf an Menge und Zusammensetzung der Nahrung ständig. Darum muss das Nahrungsangebot für kleine Kinder fortwährend angepasst werden. Bereits  Kleinkinder spüren, welche Nahrung ihnen guttut. Wichtig ist, dass sie ihre Körpergefühle bald selber deuten können. Im Austausch mit Erwachsenen schärft das Kind seine Selbstwahrnehmung. Ein Schlüssel dazu ist die Freude des Kindes am Essen. Nahrung soll weder aufgezwungen noch unnötig verweigert werden.

Eng verknüpft mit dem Thema Essen und Verdauung ist die Bewegung. Erfahrungen in der frühen Kindheit sind zu einem grossen Teil «körperlich» (sensomotorisch) und basieren auf Berührungen, Erkundungen mit dem Mund und Bewegungen. Das durch körperliche Erfahrung erworbene Wissen und Können begleitet Menschen ein Leben lang.

Freie Bewegung, die alle Sinne anspricht

Der Drang nach Bewegung ist bei kleinen Kindern sehr stark. Je besser die motorischen Fähigkeiten werden, umso grösser wird der benötigte Raum. Säuglinge möchten ihren Körper entdecken und gezielt bewegen lernen. Mehr und mehr erweitern Kleinkinder ihren Bewegungsraum,  bewegen sich zunehmend schneller und geschickter, sind interessiert am Spiel mit verschiedenen Elementen und nutzen alle Sinne.

Um ein gutes Körpergefühl zu entwickeln, sollten sich Kinder jeden Tag drinnen und draussen bewegen. Tageslicht und frische Luft sind unverzichtbar für das körperliche und das psychische Wohlbefinden.

In der frühen Kindheit sind digitale Medien nicht ideal und können sich negativ auf das Wohlbefinden  auswirken. Sie fesseln die Aufmerksamkeit der Kinder, ohne ihrem Bewegungsdrang entgegenzukommen.

NICHT VERGESSEN: Wie Erwachsene mit den Themen Essen, Bewegung und Konsumverhalten umgehen, hat Vorbildcharakter für Kinder.

Persönlichen Ruhebedürfnissen entgegenkommen und an äussere Rhythmen anlehnen

Kleinkinder brauchen regelmässige Pausen, um sich zu erholen und Erlebnisse zu verarbeiten. Aktivität und Erholung sind an den Tag- und Nachtrhythmus gebunden. Das Wohlbefinden des kleinen Kindes wird gefördert, wenn seinem persönlichen Bedürfnis nach Schlafenszeiten und Wachsein entsprochen wird und es sich gleichzeitig an Abläufen wie Essen, Mittagsschlaf oder Spielzeiten orientieren kann. Rituale wie ein Abendritual vor dem Einschlafen helfen, Rhythmen im Alltag zu erkennen und sich darauf einzulassen.

Neben Schlaf benötigen Kleinkinder auch tagsüber immer wieder kleine Pausen. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist noch relativ kurz und die Aufnahmefähigkeit zeitlich begrenzt. Manchmal wenden Säuglinge mitten in intensiven Betätigungen den Kopf zur Seite, um sich zu erholen. Auch Kleinkinder machen Pausen und ziehen sich zwischen intensiven Spielphasen kurz zurück. Ebenso wie Schlafen dient das der Erholung.

Sich zugehörig und Teil eines Ganzen fühlen

Die Erfahrung, in einer Familie und in der Gesellschaft willkommen zu sein, wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit eines Menschen aus.

Kleine Kinder sind abhängig von der Akzeptanz ihrer direkten Umgebung. Jeden Tag sollten sie konkret erleben, dass es «richtig» ist, so wie sie sind. Und zwar in allen Dimensionen, wie etwa ihren Charakter, ihren Interessen, ihrem Aussehen, ihrem Geschlecht oder ihrer Herkunft.

Um dazuzugehören, muss ein Kind mitsamt seiner Familie in seinem sozialen Umfeld auf Akzeptanz und Inklusion stossen. Es setzt Kindern zu, wenn sie merken, dass ihre Familie oder die gelebte Kultur abgewertet wird oder unerwünscht ist.

Nicht alle Kinder wachsen in ihrer leiblichen Familie auf. Damit sie sich in ihrer gesamten Persönlichkeit angenommen fühlen, müssen sie sich als Teil ihrer Herkunftsfamilie sehen und sich zugleich den Menschen zugehörig fühlen können, bei denen sie aufwachsen.

Eine Akzeptanz und Inklusion aller Kinder und Familien ist dann erreicht, wenn auch bei körperlichen oder psychischen Problemen und sozialen und ökonomischen Sorgen Unterstützung garantiert ist. Der Zugang zu den verschiedenen Ressourcen der Gesellschaft bestimmt massgeblich darüber, wie gute Entwicklungsbedingungen hergestellt werden und wie verfügbar Eltern bzw. Bezugspersonen für ihre Kinder sind.

Das Wohlbefinden der Eltern wirkt sich auf das Kind aus

Die psychische Gesundheit junger Kinder ist eng verknüpft mit derjenigen ihrer Eltern und anderer wichtiger Bezugspersonen. Bereits während der Schwangerschaft wirken sich die Befindlichkeit und das Wohlgefühl der Mutter auf das Kind aus.

Damit betreuende Personen aufmerksam auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen können, sind sie auf ein relativ stabiles eigenes inneres Gleichgewicht und auf funktionierende Beziehungen untereinander angewiesen. Selber brauchen sie immer wieder Erholung, Entlastung und Zeit.

Eltern brauchen selbst Erholung, Entlastung und Unterstützung

Säuglinge und Kleinkinder zu betreuen, ist eine intensive Angelegenheit. Sie macht Freude, ist aber auch mit Ängsten, Sorgen und manchmal einem Gefühl der Überforderung verbunden. Wenn Eltern oder Bezugspersonen durch körperliche und psychische Krankheiten, Beziehungskonflikte, traumatisierende Erlebnisse, finanzielle Sorgen, fehlende soziale Einbettung oder Verluste belastet sind, kann dies gute elterliche Kompetenzen zermürben. Geraten Erwachsene in Aufregung und können sich emotional schlecht regulieren, nimmt das kleine Kind dies ungefiltert auf.

Für Mutter, Vater, weitere Personen in einer Elternrolle, Geschwister, Grosseltern, Kita-Mitarbeitende, usw. besteht eine grosse Aufgabe darin, ihre Beziehungen untereinander zu gestalten. Alle Bezugspersonen müssen ihre Rollen definieren und aneinander anpassen. Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung schaffen eine gute Atmosphäre, die das Kleinkind für seine psychische Gesundheit braucht.

Bei Bedarf erhalten junge Familien auch professionelle Hilfe in Form von Beratung, Begleitung, Therapien oder Betreuungs- und Unterstützungsangeboten. Diese Hilfestellungen sollten an die Situation und die Familie angepasst sein und durch eine koordinierte Zusammenarbeit von verschiedenen Professionen erbracht werden.

Diese Empfehlungen sind übernommen aus der Broschüre «Förderung der psychischen Gesundheit in der frühen Kindheit» von Gesundheitsförderung Schweiz (03.2019). Die komplette Broschüre finden Sie hier.