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Kinder - psychische Gesundheit

Psychisch gesund zu sein ist nicht selbstverständlich. Wir können alle etwas für unsere psychische Gesundheit tun – und speziell auch für jene unserer Kinder! Die Gesundheit der Kinder bildet das Fundament einer starken Gesellschaft. Kinder brauchen liebevolle, verfügbare und verlässliche Erwachsene. Mit ihren Vorstellungen und ihrem Verhalten nehmen Eltern und andere enge Bezugspersonen direkt Einfluss auf die psychische Gesundheit ihrer Kinder.

In unseren Empfehlungen finden Sie Ansätze, wie Kinder jeden Alters in ihrer psychischen Gesundheit unterstützt werden können.

Stärken Sie Ihre psychische Gesundheit mit den 6 Impulsen der  «Wie geht's dir?» Kampagne:

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Sich mitteilen zu können und dabei verstanden und ernst genommen zu werden, wirkt entlastend und stärkt uns. Gespräche über unser Befinden helfen, unsere Gefühle einzuordnen und damit umzugehen. Für ein gelingendes Gespräch solltest du dir genügend Zeit nehmen und versuchen, deinem Gegenüber die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Wie steht es um dich?

  • Wenn du dich freust oder es dir schlecht geht: Mit wem sprichst du darüber? Wer hört dir zu?
  • Wann hast du zuletzt jemanden aus deinem Freundeskreis oder deiner Familie gefragt, wie es ihr/ihm wirklich geht?
  • Welche Gedanken drehen sich bei dir schon lange im Kreis und binden deine Energie? Redest du mit jemandem darüber, oder frisst es eher in dich hinein?
  • Hast du dir heute schon Zeit genommen, um mit jemandem ein ehrliches, tiefgründiges Gespräch zu führen?

Gute, wertschätzende Beziehungen führen zu Sicherheit, Bestätigung, Hilfe und Orientierung. Nicht umsonst heisst es, dass man gemeinsam stark ist. Mit Freundinnen und Freunden kannst du streiten und dich versöhnen. Intimes wird vertraulich behandelt. Sie dürfen kritisieren und lassen dich dennoch sein, wie du bist. Da Beziehungen stets gegenseitig sind, muss man sie pflegen. Auch sich in einer Gruppe freiwillig für eine Aufgabe einzusetzen stärkt Beziehungen und erhöht nachweislich das Wohlbefinden.

Wie steht es um dich?

  • Mit wem willst du freie Zeit verbringen, mit wem nicht? Wer tut dir gut?
  • Lässt dir deine Lebensgestaltung Zeit für deine Freunde und Familie?
  • Wann hast du dich zuletzt bei deinem besten Freund oder deiner besten Freundin gemeldet?
  • Wann und wo hast du zuletzt jemand Nettes kennengelernt? Lässt sich das wiederholen?
  • In welcher Gruppe fühlst du dich wohl und wertgeschätzt?
  • Wie kannst du dich in deiner Gemeinschaft engagieren?

Einige Anregungen:

  • Führe gemeinsame Rituale ein, triff dich z. B. immer am ersten Montag im Monat mit deinen Freundinnen zum Kegeln, geh alle 14 Tage mit einem Freund oder einer Freundin ins Kino.
  • Greife zum Telefon und rufe jemanden an, den du länger nicht gesehen hast.
  • Bleibe im Kontakt mit deinen Freundinnen und Freunden, deiner Familie, über Gruppenchats, -videos oder SMS und frage, wie es ihnen geht.
  • Führe Tagebuch über nette Begegnungen.
  • Sprich es aus, wenn du über jemanden etwas Nettes denkst.
  • Finde neue Kontakte, z. B. indem du dich in einer Gemeinschaft einbringst oder ein neues Hobby ausprobierst.
  • Schau dich um, wer in der Familie oder Nachbarschaft sich über deine Hilfe freuen würde.
  • Melde dich als freiwillige Helferin/freiwilliger Helfer bei einem Ortsverein, dem Blutspendedienst, dem Fussballclub oder dem Schulfest. Die Gemeindeverwaltung / das Quartierzentrum kann dir Auskunft über die Vereine in deiner Umgebung geben. Angebote für Freiwilligenarbeit findest du auch bei benevol-jobs.ch.

Die Gesundheit von Psyche und Körper ist auch vom Lebensstil abhängig. Körperliche Bewegung und Aktivität machen Spass und sind ein notwendiger Gegenpol zur Überreizung durch Überinformation, Arbeitsstress und ein gesteigertes Lebenstempo. Auch Entspannung ist wichtig: Bewusstes Ein- und Ausatmen oder kurze Entspannungsphasen im Alltag wirken positiv auf Körper und Psyche. Zu einem gesunden Lebensstil gehören auch ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und ein massvoller Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln.

Wie steht es um dich?

  • Gibt es in deinem Alltag regelmässige Bewegungszeiten?
  • Wie bewegst du dich gerne? Schwimmen, Wandern, Laufen, Tanzen, Yoga, Gymnastik, Velofahren oder …?
  • Hast du dich heute schon 30 Minuten am Stück bewegt?
  • Bei welchen Tätigkeiten kannst du am besten «abschalten»?
  • Gibt es in deinem Alltag Freiraum für bewusste Entspannungszeiten?
  • Welche Aktivitäten, z. B. Schreiben, Laufen oder Basteln, geben dir Kraft und Schwung

Einige Anregungen:

  • Steige eine Station früher aus dem Tram, benutze die Treppe statt des Lifts.
  • Geh spazieren oder führ den Hund der Nachbarn aus.
  • Verabrede dich zum Fussball- oder Boule-Spielen.
  • Tanze zu deiner Lieblingsmusik im Wohnzimmer, bis du ausser Atem bist.
  • Steh bei der Arbeit mindestens einmal pro Stunde auf. Telefoniere im Stehen.
  • Mach, was immer dir Spass macht, aber mach es regelmässig, am besten dreimal pro Woche während 30 Minuten.
  • Lausche am Morgen bewusst dem Gesang der Vögel.
  • Versetze dich in deiner Vorstellung an deinen Lieblingsort.
  • Nimm dir Zeit für Atem- und Entspannungsübungen, z. B. ganz früh am Morgen.
  • Probiere eine Entspannungstechnik aus – autogenes Training, Yoga, Meditation, Qi Gong – und bau sie in deinen Alltag ein.
  • Plane eine Bootstour am Wochenende, einen Trip in die Berge, einen Lese-Nachmittag im Liegestuhl oder auf dem Sofa.

Neues lernen oder sich kreativ betätigen, ist eine Entdeckungsreise, die dich aus dem Alltag herausführt und neue Horizonte eröffnet. Indem du etwas Neues ausprobierst, entwickelst du dich weiter und stärkst dein Selbstwertgefühl. Durch kreative Aktivitäten lassen sich Gefühle und Erlebnisse ausdrücken und verarbeiten und Spannungen abbauen. Wir lernen nicht nur mit dem Hirn, sondern mit all unseren Sinnen.

Wie steht es um dich?

  • Wo kannst du dich kreativ ausleben?
  • Was kannst du besonders gut? (z. B. Kochen, Singen, Malen, Reparieren, Gärtnern, Schreinern, Nähen, Gestalten)
  • Wann und wie oft nimmst du dir Zeit für kreatives Gestalten?
  • Was willst du gerne können?
  • Was sind deine Talente/Fähigkeiten? Welche möchtest du nutzen?
  • Kannst du etwas, das du gerne jemandem beibringen würdest?

Einige Anregungen:

  • Gestalte deinen Balkon oder deine Wohnung um, indem du ausmistest, dekorierst, Dinge neu anordnest oder etwas Neues baust.
  • Baue ein Vogelhäuschen oder einen neuen Küchentisch.
  • Schreibe dein Leben auf oder mach etwas aus deinen vielen Fotografien.
  • Besuche einen Mal-, Töpfer- oder Näh-Kurs.
  • Lernen heisst nicht immer, die Schulbank drücken. Probiere aus, welches Wissen Videos aus dem Internet vermitteln. Auch Lernfestivals sind hervorragende Anlässe, um Neues auszuprobieren. Sicher entdeckst du an dir ganz neue Talente!
  • Lerne online Italienisch, Schwedisch oder Vogelstimmen erkennen.
  • Entdecke aktuelle Ausstellungen in Museen und plane deinen Besuch.
  • Lass dich von Kursprogrammen inspirieren: deine Schule, die Migros-Klubschule oder die Volkshochschule, Pro Senectute oder andere Anbieter liefern Ideen.

Deiner Fantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Kennst du jemanden, der sich selbst für perfekt hält und es auch ist? Wohl kaum. Gerade deine Unvollkommenheit macht dich einzigartig. Je besser es dir gelingt, dich selbst mit allen Ecken und Kanten zu akzeptieren, desto wohler fühlst du dich. Kennst du deine Ressourcen? Dann kannst du auch deine Schwächen besser verstehen und akzeptieren. In deinem ganzen Leben verbringst du mit niemandem mehr Zeit als mit dir selbst. Sei nachsichtig und wohlwollend mir dir selbst. Mit anderen bist du es auch.

Wie steht es um dich?

  • Wie tröstest du dich nach einem Rückschlag?
  • In welchem Bereich bist du mit dir selbst zufrieden?
  • Was macht dich zufrieden in deinen Beziehungen?
  • Was macht dich zufrieden in deinem Beruf?
  • Was ist dir heute gelungen, worüber du dich freuen kannst?
  • Über welche Fehler von heute kannst du lachen?

Einige Anregungen:

  • Klopfe dir bei Belastungen innerlich aufmunternd auf die Schulter oder lächle dich im Spiegel an. Das löst positive Gefühle aus.
  • Konzentriere dich auf deinen vitalen Rhythmus (Ernährung, Bewegung, Atmung, Schlaf).
  • Schreibe deine Gedanken auf: Was ist momentan gut für mich? Was nicht? Was kann ich selbst anpassen?
  • Verzeih dir und deinem Gegenüber, wenn du häufiger gereizt reagierst.
  • Tröste dich und deine Nächsten, wenn nicht alles wie gewohnt rund läuft.
  • Setze dir Tagesziele, die du einhalten kannst.

Finde mehr heraus über das Zusammenspiel von Ressourcen und Belastungen

Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von Stärke. Jeder steht irgendwo im Leben mal an. Familie und Freunde können eine wichtige Stütze sein. Manchmal fällt es jedoch leichter, mit Aussenstehenden zu reden. Wenn die Belastungen gross werden, ist es wichtig, dass du professionelle Hilfe suchst. Denn je länger eine psychische Belastung andauert, um so grösser ist die Gefahr, dass sie noch grösser oder zu einer Erkrankung wird.

Wie steht es um dich?

  • Nimmst du deinen eigenen Körper und seine Signale war und hörst du rechtzeitig auf sie?
  • Vertraust du darauf, dass es Hilfe gibt, wenn du danach fragst?
  • Was hält dich davon ab, um Unterstützung zu bitten? Befürchtest du, abgelehnt zu werden oder jemandem etwas schuldig zu sein?
  • Kannst du akzeptieren, dass Menschen Aufgaben anders lösen, als du es tun würdest?

Einige Anregungen:

  • Krisen haben wir alle. Rückschläge, Schocks oder Trauer brauchen Zeit, bis du sie emotional verarbeitet hast. Nimm dir diese Zeit, wenn du sie brauchst!
  • Konzentrier dich auf das, was du jetzt gut kannst. Alles, was dir im Moment schwerfällt oder nicht so wichtig ist, kannst du delegieren und dafür um Hilfe zu bitten.
  • Verschaffe dir Abstand: Du bist nicht für alles verantwortlich.
  • Menschen, die dir nahestehen, möchten wissen, wie sie für dich da sein können. Versuche zu benennen, was dir helfen könnte, und frage in deinem Umfeld nach konkreter Unterstützung.
  • Für andere da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen gibt Sinn im Leben und stärkt die Beziehung zu den Mitmenschen. Du weisst bestimmt aus eigener Erfahrung, dass dir Geben ein gutes Gefühl gibt.

Falls es dir nicht gut geht und du ein offenes Ohr oder Hilfe suchst, findest du hier Adressen und Angebote.

Frühe Kindheit (0 - 4 Jahre / Empfehlungen für Eltern und Bezugspersonen)

Existenziell abhängig sein

Kleine Kinder sind abhängig von der Fürsorge der Erwachsenen. Sie können noch nicht für sich selber sorgen und ihre körperlichen und psychischen Bedürfnisse nicht selber stillen. Säuglinge und Kleinkinder benötigen die Anwesenheit von vertrauten Erwachsenen, die verlässlich auf ihre Bedürfnisse reagieren und sie vor unangenehmen, schädlichen Einflüssen und Gefahren schützen.

Mehrere Bezugspersonen

Von Vorteil ist, die Betreuung eines kleinen Kindes auf mehrere Bezugspersonen - Mütter, Väter, Grosseltern, weitere Familienmitglieder und/oder Personen der familienergänzenden Kinderbetreuung - zu verteilen. Mit mehreren Personen ist eine durchgängige Betreuung besser gewährleistet. So macht das Kind vielfältige Erfahrungen, während die Erwachsenen auch anderen Tätigkeiten nachgehen und sich erholen können. Das Kind profitiert von dieser Situation, solange sie nicht zu unübersichtlich wird, die Wechsel nicht zu stressreich sind und die Betreffenden genügend miteinander harmonieren.

Kleinkinder verlassen sich auf vertraute Personen. Um sich bei einer neuen Person ebenfalls sicher und geborgen zu fühlen, braucht es Unterstützung und Begleitung beim Kennenlernen. Insbesondere stellt das Übernachten bei noch nicht genügend vertrauten Personen eine Herausforderung für ein kleines Kind dar.

Längere, abrupte und erzwungene Unterbrüche des Zusammenseins mit vertrauten Bezugspersonen oder andauernde, erhebliche oder gar gewalttätige Konflikte unter Erwachsenen verunsichern kleine Kinder, gefährden die psychische Gesundheit und hemmen die Entwicklung. Je jünger ein Kind ist, umso mehr benötigt es die Gewissheit, dass vertraute Bezugspersonen in absehbarer Zeit verfügbar sind und das Zusammensein mit ihnen sich sicher anfühlt. Grundsätzlich gilt dies für die gesamte Kindheit.

Aufmerksamkeit, Freude und liebevolle Berührungen

Kinder brauchen positive Aufmerksamkeit von Erwachsenen, um sich wertvoll zu fühlen. Echte Freude am Zusammensein und Vertrauen in seine Fähigkeiten stärken das Kind und ermöglichen ihm, sich gut zu entwickeln. Am besten gelingt dies, wenn die betreuenden Personen dem Kind zwischendurch ungeteilte Aufmerksamkeit schenken.

Auch liebevolle körperliche Berührungen, wie Halten, Tragen und Streicheln, lösen positive Gefühle aus. Ein kleines Kind benötigt solche Körperkontakte. Körperliche Berührungen werden dann zur Qual, wenn die persönlichen Grenzen nicht respektiert werden. Und wird ein verbal oder nonverbal geäussertes Nein des Kindes wiederholt übergangen, löst das Verunsicherung aus.

Emotionalen Trost finden

Kleinkinder sollten weder lange weinen müssen noch alleingelassen werden. Wenn ein Kind weint, drückt es sein Unbehagen aus und macht darauf aufmerksam, dass es nicht selbst etwas für sein Wohlgefühl tun kann. Bereits Säuglinge kennen Wege, wie sie sich selber trösten können. Kleine Kinder müssen auf eine Bezugsperson zählen können, die emotionalen Trost bringt und auf körperliches Unbehagen eingeht.

Durch die zuversichtliche, liebevolle Anwesenheit von Erwachsenen und durch beruhigendes Reden, Streicheln, Halten, Wiegen oder Ablenken lassen sich Kinder wieder beruhigen. Oft tragen auch ältere Geschwister oder andere Kinder zum Trost des Kindes bei. Mit der nötigen Unterstützung lernen Säuglinge und Kleinkinder Möglichkeiten kennen, um sich selber zu beruhigen - eine wichtige Komponente der psychischen Gesundheit.

Langeweile, Enttäuschung und Ärger

Kinder benötigen nicht nur Zuwendung, wenn sie Hunger und Schmerzen haben oder müde sind, sondern auch, wenn sie aus Gefühlen wie Langeweile, Enttäuschung oder Ärger nicht alleine herausfinden.

Beziehung herzustellen bedeutet, miteinander reden, sich austauschen und Bedürfnisse mitteilen. Bei kleinen Kindern verhält es sich gleich, auch wenn sie sich zu Beginn noch nicht verbal ausdrücken können. Die Sprachentwicklung verläuft in der frühen Kindheit beeindruckend schnell. Selbst Säuglinge verstehen bereits verschiedene Facetten der Sprache.

Worte finden für Gefühle und Bedürfnisse

Erwachsene unterstützen die kindliche Entwicklung, indem sie mit dem Kind sprechen und Gefühlszustände und Bedürfnisse, die es selbst noch nicht äussern kann, in Worte fassen. Mit der Zeit gelingt es dem Kind, eigene Worte zu finden.

Von lustigen Plaudereien zum Dialog

Bald entstehen lustige Plaudereien und Sprachspiele. Nach und nach werden alltägliche Gespräche und Dialoge möglich. Kinder und Erwachsene teilen sich einander verbal mit und stimmen so ihre Bedürfnisse und Anliegen aufeinander ab. Kinder fühlen sich auf diese Weise ernst genommen und Beziehungen vertiefen sich.

Erklären, was um das Kind herum passiert

In gewisser Weise sind Säuglinge und Kleinkinder den Stimmungen und Handlungen der Erwachsenen ausgeliefert und können sich ihnen nicht entziehen. Überdies erleben sie viel Neues. Darum ist es wichtig, Kindern zu erklären, was mit ihnen und um sie herum passiert - also ihnen die Alltagshandlungen, die momentane Stimmung sowie das Beziehungsgeschehen zu erklären. Für Kleinkinder ist es hilfreich, zu wissen, dass die Mutter oder der Vater heute müde ist und deshalb nicht wie sonst reagieren mag.

Erklärungen braucht es auch bei Veränderungen. Beispielsweise wenn das Kind neu in eine Kita gehen soll, ein Geschwister zur Welt kommt oder Eltern sich trennen. Oder wenn in Zusammenhang mit dem Kind Missverständnisse, irritierende Momente oder schwierige, belastende Situationen entstehen. Wenn es beispielsweise Streit gibt, Eltern krank werden oder sich psychisch unter Druck fühlen. Solange Kinder Zusammenhänge nicht verstehen, suchen sie nach eigenen Erklärungen und sehen sich möglicherweise als Verursacher der Schwierigkeiten.

Kleinkinder entdecken die Welt spielerisch. Neugierig beginnt das Kind in den ersten Lebensmonaten, sich selber und einfache Gegenstände zu erkunden. Es folgt seiner Neugier und lernt seine Fähigkeiten bewusst einzusetzen. Auf diese Weise erfährt das Kind viel über sich und seine Umgebung. Immer mehr drückt es sich auch über das Spiel aus und verarbeitet Erlebnisse und zwischenmenschliche Erfahrungen.

Freiraum und Anregung fürs Spiel

Kleine Kinder benötigen Freiraum, damit sie ihren Eingebungen folgen und eigene Erfahrungen sammeln können. Ebenso brauchen sie Begleitung und Anregung, um auf neue Ideen zu kommen, Fertigkeiten zu erweitern, Hindernisse zu überwinden und Grenzen zu erkennen.

Gemeinsames Spiel als eine Art Dialog

Das Gefühl von Vertrautsein entwickelt sich, wenn das Zusammensein gemeinsame Bestätigungen beinhaltet und das Kind in Alltagshandlungen wie Kochen oder Putzen einbezogen wird. Gemeinsamkeit entsteht auch durch das Spielen. Lassen Erwachsene sich darauf ein, entsteht im Fluss von aufeinander abgestimmten Spielhandlungen und Impulsen ein gemeinsames Spielerleben, eine Art Dialog.

Die Balance zwischen Freiraum und Anregung, gemeinsam verrichteten Tätigkeiten oder gemeinsamem Spiel muss ständig neu ausgelotet und den Bedürfnissen des Kindes angepasst werden.

Kinder möchten mit Personen in Beziehung treten und ihren Beziehungsradius erweitern. Sie brauchen Kontakte mit Kindern unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Erwachsenen.

Sich selbst kennenlernen, Freundschaften bilden und seinen Platz finden

Zu einer gesunden kindlichen Entwicklung gehört das Zusammensein mit gleichaltrigen, älteren und jüngeren Kindern. Im gemeinsamen Spiel lernen Kinder sich selbst, Fähigkeiten, Grenzen und Gemeinsamkeiten kennen. Zunehmend finden sie einen Platz in ihrer Altersgruppe. Aus Spiel-Partnerschaften werden langsam Freundschaften.

Wenn Kinder zusammen spielen, entsteht Fröhlichkeit und Unbeschwertheit - eine Grundlage des sozialen Wohlbefindens. Selbstverständlich läuft nicht immer alles reibungsfrei ab. Unterschiedliche Wünsche oder die Notwendigkeit, Spielgegenstände oder die Aufmerksamkeit der Bezugspersonen teilen zu müssen, können zu Konflikten führen. Der Umgang miteinander will gelernt sein.

Obwohl kleine Kinder noch eng an ihre eigenen Bezugspersonen gebunden sind, beginnen sie bald, Interesse an weiteren Erwachsenen zu entwickeln. Neue Bezugspersonen helfen dem Kind, sich aus der Nähe zu Mutter und Vater etwas zu lösen, was ebenfalls notwendig ist für eine gesunde psychische Entwicklung.

Eigene Ideen und Wünsche entwickeln - Herausforderungen alleine schaffen

Das Erlangen von Selbständigkeit fängt im Säuglings- und Kleinkindalter an und kann als innerer Motor für die kindliche Entwicklung angesehen werden. Auch sehr kleine Kinder entwickeln eigene Ideen und Wünsche. Dinge, die ihren Fähigkeiten entsprechen, möchten sie selber machen und neue Herausforderungen alleine meistern. Dies wiederum ermöglicht nächste Entwicklungsschritte.

Während Säuglinge noch sehr auf Vorgaben aus der Erwachsenenwelt reagieren und versuchen, sich anzupassen, verteidigen sich Kleinkinder ihre Autonomie teils heftig. Fühlt sich das Kind begrenzt, reagiert es enttäuscht, verärgert und wütend. Aus Erwachsenensicht wird dieses Verhalten mit «Trotz» umschrieben.

Grenzen der Autonomie erleben

Die Beschneidung der eigenen Autonomie durch andere Menschen und äussere Gegebenheiten ist eine schmerzliche Erfahrung, die kleine Kinder manchmal an ihre emotionalen Grenzen bringt. Wichtig ist, dass Erwachsene klar und respektvoll unumgängliche Grenzen aufzeigen. So können Kinder lernen, Begrenzungen zu erkennen und sich daran zu orientieren, ohne dass ihr Selbstwertgefühl leidet.

Vielfach gibt es in einer Situation Wahlmöglichkeiten, Auswege oder Ablenkungen,  die dem jungen Kind helfen, seine Frustration zu überwinden. Um Kindern Raum für selbständiges Fühlen, Denken und Handeln zu gewähren, brauchen Erwachsene Flexibilität, Geduld, Zuversicht und eine ausgewogenen Mischung aus Aufmerksamkeit und Loslassen.

Das körperliche Befinden beeinflusst das emotionale Wohlergehen - und umgekehrt. Wenn der Bauch schmerzt oder der Hunger quält, ist das Kind auf jemanden angewiesen, der prompt reagiert. Sobald das körperliche Wohlgefühl wiederhergestellt ist, kommt auch das emotionale Wohlbefinden ins Gleichgewicht. Auf diese Weise bauen Personen, die das Kind regelmässig und gut versorgen, eine enge Beziehung zu ihm auf. Beim Stillen werden das Zusammenspiel von körperlichem und emotionalem Wohlbefinden sowie die Beziehungsbildung zur Mutter sichtbar.

Freude am Essen unterstützen - Körpergefühle wahrnehmen

Im Kleinkindalter verändert sich der Bedarf an Menge und Zusammensetzung der Nahrung ständig. Darum muss das Nahrungsangebot für kleine Kinder fortwährend angepasst werden. Bereits  Kleinkinder spüren, welche Nahrung ihnen guttut. Wichtig ist, dass sie ihre Körpergefühle bald selber deuten können. Im Austausch mit Erwachsenen schärft das Kind seine Selbstwahrnehmung. Ein Schlüssel dazu ist die Freude des Kindes am Essen. Nahrung soll weder aufgezwungen noch unnötig verweigert werden.

Eng verknüpft mit dem Thema Essen und Verdauung ist die Bewegung. Erfahrungen in der frühen Kindheit sind zu einem grossen Teil «körperlich» (sensomotorisch) und basieren auf Berührungen, Erkundungen mit dem Mund und Bewegungen. Das durch körperliche Erfahrung erworbene Wissen und Können begleitet Menschen ein Leben lang.

Freie Bewegung, die alle Sinne anspricht

Der Drang nach Bewegung ist bei kleinen Kindern sehr stark. Je besser die motorischen Fähigkeiten werden, umso grösser wird der benötigte Raum. Säuglinge möchten ihren Körper entdecken und gezielt bewegen lernen. Mehr und mehr erweitern Kleinkinder ihren Bewegungsraum,  bewegen sich zunehmend schneller und geschickter, sind interessiert am Spiel mit verschiedenen Elementen und nutzen alle Sinne.

Um ein gutes Körpergefühl zu entwickeln, sollten sich Kinder jeden Tag drinnen und draussen bewegen. Tageslicht und frische Luft sind unverzichtbar für das körperliche und das psychische Wohlbefinden.

In der frühen Kindheit sind digitale Medien nicht ideal und können sich negativ auf das Wohlbefinden  auswirken. Sie fesseln die Aufmerksamkeit der Kinder, ohne ihrem Bewegungsdrang entgegenzukommen.

NICHT VERGESSEN: Wie Erwachsene mit den Themen Essen, Bewegung und Konsumverhalten umgehen, hat Vorbildcharakter für Kinder.

Persönlichen Ruhebedürfnissen entgegenkommen und an äussere Rhythmen anlehnen

Kleinkinder brauchen regelmässige Pausen, um sich zu erholen und Erlebnisse zu verarbeiten. Aktivität und Erholung sind an den Tag- und Nachtrhythmus gebunden. Das Wohlbefinden des kleinen Kindes wird gefördert, wenn seinem persönlichen Bedürfnis nach Schlafenszeiten und Wachsein entsprochen wird und es sich gleichzeitig an Abläufen wie Essen, Mittagsschlaf oder Spielzeiten orientieren kann. Rituale wie ein Abendritual vor dem Einschlafen helfen, Rhythmen im Alltag zu erkennen und sich darauf einzulassen.

Neben Schlaf benötigen Kleinkinder auch tagsüber immer wieder kleine Pausen. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist noch relativ kurz und die Aufnahmefähigkeit zeitlich begrenzt. Manchmal wenden Säuglinge mitten in intensiven Betätigungen den Kopf zur Seite, um sich zu erholen. Auch Kleinkinder machen Pausen und ziehen sich zwischen intensiven Spielphasen kurz zurück. Ebenso wie Schlafen dient das der Erholung.

Sich zugehörig und Teil eines Ganzen fühlen

Die Erfahrung, in einer Familie und in der Gesellschaft willkommen zu sein, wirkt sich positiv auf die psychische Gesundheit eines Menschen aus.

Kleine Kinder sind abhängig von der Akzeptanz ihrer direkten Umgebung. Jeden Tag sollten sie konkret erleben, dass es «richtig» ist, so wie sie sind. Und zwar in allen Dimensionen, wie etwa ihren Charakter, ihren Interessen, ihrem Aussehen, ihrem Geschlecht oder ihrer Herkunft.

Um dazuzugehören, muss ein Kind mitsamt seiner Familie in seinem sozialen Umfeld auf Akzeptanz und Inklusion stossen. Es setzt Kindern zu, wenn sie merken, dass ihre Familie oder die gelebte Kultur abgewertet wird oder unerwünscht ist.

Nicht alle Kinder wachsen in ihrer leiblichen Familie auf. Damit sie sich in ihrer gesamten Persönlichkeit angenommen fühlen, müssen sie sich als Teil ihrer Herkunftsfamilie sehen und sich zugleich den Menschen zugehörig fühlen können, bei denen sie aufwachsen.

Eine Akzeptanz und Inklusion aller Kinder und Familien ist dann erreicht, wenn auch bei körperlichen oder psychischen Problemen und sozialen und ökonomischen Sorgen Unterstützung garantiert ist. Der Zugang zu den verschiedenen Ressourcen der Gesellschaft bestimmt massgeblich darüber, wie gute Entwicklungsbedingungen hergestellt werden und wie verfügbar Eltern bzw. Bezugspersonen für ihre Kinder sind.

Das Wohlbefinden der Eltern wirkt sich auf das Kind aus

Die psychische Gesundheit junger Kinder ist eng verknüpft mit derjenigen ihrer Eltern und anderer wichtiger Bezugspersonen. Bereits während der Schwangerschaft wirken sich die Befindlichkeit und das Wohlgefühl der Mutter auf das Kind aus.

Damit betreuende Personen aufmerksam auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen können, sind sie auf ein relativ stabiles eigenes inneres Gleichgewicht und auf funktionierende Beziehungen untereinander angewiesen. Selber brauchen sie immer wieder Erholung, Entlastung und Zeit.

Eltern brauchen selbst Erholung, Entlastung und Unterstützung

Säuglinge und Kleinkinder zu betreuen, ist eine intensive Angelegenheit. Sie macht Freude, ist aber auch mit Ängsten, Sorgen und manchmal einem Gefühl der Überforderung verbunden. Wenn Eltern oder Bezugspersonen durch körperliche und psychische Krankheiten, Beziehungskonflikte, traumatisierende Erlebnisse, finanzielle Sorgen, fehlende soziale Einbettung oder Verluste belastet sind, kann dies gute elterliche Kompetenzen zermürben. Geraten Erwachsene in Aufregung und können sich emotional schlecht regulieren, nimmt das kleine Kind dies ungefiltert auf.

Für Mutter, Vater, weitere Personen in einer Elternrolle, Geschwister, Grosseltern, Kita-Mitarbeitende, usw. besteht eine grosse Aufgabe darin, ihre Beziehungen untereinander zu gestalten. Alle Bezugspersonen müssen ihre Rollen definieren und aneinander anpassen. Gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung schaffen eine gute Atmosphäre, die das Kleinkind für seine psychische Gesundheit braucht.

Bei Bedarf erhalten junge Familien auch professionelle Hilfe in Form von Beratung, Begleitung, Therapien oder Betreuungs- und Unterstützungsangeboten. Diese Hilfestellungen sollten an die Situation und die Familie angepasst sein und durch eine koordinierte Zusammenarbeit von verschiedenen Professionen erbracht werden.

Diese Empfehlungen sind übernommen aus der Broschüre «Förderung der psychischen Gesundheit in der frühen Kindheit» von Gesundheitsförderung Schweiz (03.2019). Die komplette Broschüre finden Sie hier.