Pilotprojekt Netzwerk frühe Kindheit Uri

Seit 2024 befindet sich der Kanton Uri in der Umsetzung des vierjährigen Pilotprojekts «Netzwerk frühe Kindheit Uri». Dieses Pilotprojekt verfolgt den Ansatz der Familienzentrierten Vernetzung und orientiert sich nach dem Vorbild der «Frühen Hilfen» aus Österreich.

Das Projekt wurde gestartet, um die Früherkennung und Begleitung belasteter Familien sicherzustellen. Zentral dabei sind folgende drei Kernelemente:

  • Familienbegleitung

    Die Begleitung der Familien als Dreh- und Angelpunkt einer vertieften Unterstützung, in Form einer Fallführung (Case Management). Diese Begleitung geschieht ressourcenorientiert, niederschwellig sowie kostenlos. Die Familien werden bei Bedarf zu bestehenden Angeboten zugeführt oder dorthin begleitet.

  • Netzwerkmanagement

    Das Netzwerkmanagement fördert den Aufbau, die Pflege und wenn nötig die Erweiterung des interprofessionellen Netzwerks. Im Mittelpunkt stehen dabei die Netzwerkkoordination und somit die Vernetzung der Urner Akteure im Bereich der frühen Kindheit sowie der Ausbau des Früherkennungspotenzials.

  • Interprofessionelles Netzwerk

    Das interprofessionelle Netzwerk setzt sich aus allen Akteuren des Frühbereichs zusammen, die Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Integration für werdende Eltern sowie Eltern mit Kleinkindern anbieten. Die Mitglieder erkennen belastete Familien, unterstützen sie bedarfsgerecht oder vermitteln sie an die Familienbegleitung.

Die Familienbegleitung (Fallführung / Case Management) sowie das Netzwerkmanagement sind bei der Stiftung Papilio angegliedert. Hier finden Sie weitere hilfreiche Informationen zur praktischen Umsetzung des Pilotprojekts. 

Das Pilotprojekt wird durch INFRAS begleitend evaluiert, im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Gesundheitsförderung Schweiz. Ziel ist es zu sehen, wie sich die Situation im Kanton Uri mit der Familienzentrierten Vernetzung verändert - also wie wirksam das «Netzwerk frühe Kindheit Uri» ist. Bisher fehlen in der Schweiz Studien, die die Wirksamkeit der Familienzentrierten Vernetzung untersuchen.

 

Webportal zur Familienzentrierten Vernetzung (Bundesamt für Gesundheit BAG / Alliance Enfance)

  • Hier finden Fachpersonen praxisnahe Informationen, Impulse und aktuelle Erkenntnisse zur Umsetzung in Schweizer Kantonen, Regionen, Städten und Gemeinden

     

Weitere kantonale Projekte der Familienzentrierten Vernetzung in der Zentralschweiz:

 

 

 

Entstehung der Projektidee in Uri

Seit 2013 finden im Kanton Uri regelmässige Netzwerktreffen im Bereich frühe Kindheit statt. Dabei wurde das Netzwerk laufend erweitert. Initiiert wurden diese Treffen durch die Mütter-/Väterberatung, die Abteilung Integration und die Fachstelle Gesundheitsförderung Uri.

Im 2021 hat sich der Kanton Uri nach Anfrage durch die Hochschule Luzern als Pilotkanton an der BAG-Vorstudie «Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz» beteiligt. Ziel dieser Vorstudie war, Schweizer Netzwerke im Frühbereich in Hinblick auf ihr Potenzial zur Früherkennung und niederschwelligen Begleitung von belasteten Familien zu analysieren und mit gut erforschten Netzwerken im Ausland zu vergleichen. Als Referenzmodell wurden die «Frühen Hilfen» aus Österreich genutzt.

Am 26. April 2021 fand ein Workshop, organisiert von der Hochschule Luzern, gemeinsam mit Urner Akteuren im Bereich frühe Kindheit statt. In diesem Workshop wurde rege diskutiert, wie ein familienzentriertes Netzwerk im Kanton Uri konkret aussehen könnte und welche Voraussetzungen für dessen Realisierung gegeben sein müssten. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Vorstudie wurden am 31. August 2021 präsentiert.

Grobkonzept

Anschliessend hat sich eine Projektgruppe an die Erarbeitung eines Grobkonzepts gemacht, welches zum Ziel hat, die Früherkennung und Begleitung belasteter Familien im Kanton Uri durch ein Angebot nach Vorbild der «Frühen Hilfen Österreich» sicherzustellen. Dabei geht es neben der Begleitung der Familien auch um die Vernetzung der Urner Akteure im Bereich der frühen Kindheit und um den Auf- und Ausbau deren Früherkennungspotential. Dieses Grobkonzept wurde am 28. März 2022, auf Anfrage durch das Bundesamt für Gesundheit BAG, an der nationalen Tagung «Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz» vorgestellt (organisiert durch Alliance Enfance und BAG). Am 9. April 2022 hat die 5. kantonale Fach- und Vernetzungsveranstaltung frühe Kindheit Uri stattgefunden, an welcher das Grobkonzept zum Projekt «Netzwerk frühe Kindheit Uri» vorgestellt und mit den Urner Akteuren im Bereich frühe Kindheit diskutiert wurde.

Detailkonzept

Nach der Fach- und Vernetzungsveranstaltung vom 2022 wurde, mit den entsprechenden Inputs der Urner Akteure, ein Detailkonzept zur Umsetzung des 4-jährigen Pilotprojekts «Netzwerk frühe Kindheit Uri» erarbeitet. Dieses Detailkonzept wurde gemeinsam durch das Projektteam, die Steuergruppe und die fachliche Begleitung der Hochschule Luzern HSLU diskutiert und laufend weiterentwickelt.

Kern der Projektidee

Die ersten Lebensjahre sind für Menschen prägend und nicht alle Eltern können ihren Kindern ein förderliches Umfeld bieten. Belastete Familien werden durch die Akteure im Bereich frühe Kindheit (z.B. Gynäkolog*innen, Hebammen, usw.) früh erkannt und an das «Netzwerk frühe Kindheit Uri» weitergeleitet, welches ressourcenorientiert, niederschwellig und kostenlos unterstützt und begleitet (Case Management). Die Familien werden bei Bedarf zu bestehenden Angeboten zugeführt oder dorthin begleitet.

Neben der Begleitung geht es dabei auch um die Vernetzung der Urner Akteure im Bereich der frühen Kindheit und um den Auf- und Ausbau deren Früherkennungspotentials.

Positive Entscheide Urner Regierungsrat und Landrat

Am 13. Dezember 2022 wurde das Konzept des Pilotprojekts «Netzwerk frühe Kindheit Uri» in der Regierungsratssitzung behandelt und vom Gesamtregierungsrat positiv zur Kenntnis genommen. Das bedeutet, dass der Regierungsrat gewillt ist, das Pilotprojekt in den Sozialplan 2024-2027 aufzunehmen. Der Sozialplan 2024-2027 wurde im Vorsommer 2023 durch den Regierungsrat beraten und genehmigt und am 13. Dezember 2023 durch den Landrat gutgeheissen.

Start für die Pilotphase «Netzwerk frühe Kindheit Uri» 2024-2027

Die Entscheide des Urner Regierungsrat und Landrat gaben den Startschuss für die vierjährige Pilotphase und die entsprechende Ausschreibung der Stelle «Familienbegleitung» anfangs 2024. Die Stelle konnte am 1. April 2024 durch die Person von Yvonne Hartmann besetzt werden. Seither begleitet Yvonne Hartmann belastete Urner Familien, baut mit ihnen eine Beziehung auf, analysiert die Familiensituation mit Blick auf Unterstützungsbedarf und vorhandene Ressourcen, führt die Familien zu unterstützenden Angeboten zu, übernimmt die Fallführung, organisiert bei Bedarf Helfenden-Konferenzen und organisiert, koordiniert, klärt ab was es sonst noch benötigt.

Zudem hat Martina Walker, Papilio - Fachstelle für Familienfragen und frühe Kindheit, die Netzwerkkoordination übernommen. Die Ziele der Netzwerkkoordination sind die Pflege und Weiterentwicklung des Netzwerks frühe Kindheit im Kanton Uri, die optimale Vernetzung der Akteure, die Vertiefung des Verständnisses zum Bereich frühe Kindheit, die Stärkung des Potentials der Früherkennung, die gezielte Förderung der Weiterleitung der Familien, die Schaffung von Voraussetzungen dass Angebote von Familien gerne genutzt werden und diese für sie nützlich sind sowie die Initiierung und Förderung von Massnahmen der Qualitätssicherung.

Begleitende Evaluation

Gemeinsam mit Gesundheitsförderung Schweiz und dem Bundesamt für Gesundheit BAG wird eine begleitende Evaluation des Urner Pilotprojekts durchgeführt. Interprofessionelle Netzwerke im Frühbereich (in Anlehnung an die «Frühen Hilfen Österreich») sind in der Schweiz bisher nicht erforscht worden. Parallel zum Start des Pilotprojektes möchte Gesundheitsförderung Schweiz und BAG eine begleitende Evaluation lancieren. Von Interesse ist dabei, wie sich die Situation im Kanton Uri mit diesem Pilotprojekt verändert/verbessert, dies evtl. im Vergleich mit Familien, die nicht von einem interprofessionellen Netzwerk profitieren. Die Frage ist also, wie wirksam ein solches Netzwerk ist. INFRAS ist mit der begleitenden Evaluation beauftragt worden und führt diese von 2024-2026 durch.

 

 

Bruno Scheiber, Co-Programmleiter «Kinder und Jugendliche» (Fokus Psychische Gesundheit), Projektleiter Pilotprojekt «Netzwerk frühe Kindheit Uri»

E-Mail
+41 41 874 13 94

Yvonne Hartmann, Familienbegleitung «Netzwerk frühe Kindheit Uri», Papilio, Gotthardstrasse 14, Altdorf

E-Mail
+41 41 874 13 13

Martina Walker, Netzwerkmanagement «Netzwerk frühe Kindheit Uri», Papilio, Gotthardstrasse 14, Altdorf

E-Mail
+41 41 874 13 13