Feel - Gesundheitsförderung Uri

Projekt Netzwerk frühe Kindheit Uri

Im 2021 hat sich der Kanton Uri nach Anfrage durch die Hochschule Luzern als Pilotkanton an der BAG-Vorstudie «Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz» beteiligt. Ziel dieser Vorstudie war, Schweizer Netzwerke im Frühbereich in Hinblick auf ihr Potenzial zur Früherkennung und niederschwelligen Begleitung von belasteten Familien zu analysieren und mit gut erforschten Netzwerken im Ausland zu vergleichen. Als Referenzmodell wurden die «Frühen Hilfen» aus Österreich genutzt.

Am 26. April 2021 fand ein Workshop, organisiert von der Hochschule Luzern, gemeinsam mit Urner Akteuren im Bereich frühe Kindheit statt. In diesem Workshop wurde rege diskutiert, wie ein familienzentriertes Netzwerk im Kanton Uri konkret aussehen könnte und welche Voraussetzungen für dessen Realisierung gegeben sein müssten. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Vorstudie wurden am 31. August 2021 präsentiert.

Grobkonzept

Anschliessend hat sich eine Projektgruppe an die Erarbeitung eines Grobkonzepts gemacht, welches zum Ziel hat, die Früherkennung und Begleitung belasteter Familien im Kanton Uri durch ein Angebot nach Vorbild der «Frühen Hilfen Österreich» sicherzustellen. Dabei geht es neben der Begleitung der Familien auch um die Vernetzung der Urner Akteure im Bereich der frühen Kindheit und um den Auf- und Ausbau deren Früherkennungspotential. Dieses Grobkonzept wurde am 28. März 2022, auf Anfrage durch das Bundesamt für Gesundheit BAG, an der nationalen Tagung «Familienzentrierte Vernetzung in der Schweiz» vorgestellt (organisiert durch Alliance Enfance und BAG). Am 9. April 2022 hat die 5. kantonale Fach- und Vernetzungsveranstaltung frühe Kindheit Uri stattgefunden, an welcher das Grobkonzept zum Projekt «Netzwerk frühe Kindheit Uri» vorgestellt und mit den Urner Akteuren im Bereich frühe Kindheit diskutiert wurde.

Detailkonzept

Nach der Fach- und Vernetzungsveranstaltung vom 2022 wurde, mit den entsprechenden Inputs der Urner Akteure, ein Detailkonzept zur Umsetzung des 4-jährigen Pilotprojekts «Netzwerk frühe Kindheit Uri» erarbeitet. Dieses Detailkonzept wurde gemeinsam durch das Projektteam, die Steuergruppe und die fachliche Begleitung der Hochschule Luzern HSLU diskutiert und laufend weiterentwickelt.

Kern der Projektidee

Die ersten Lebensjahre sind für Menschen prägend und nicht alle Eltern können ihren Kindern ein förderliches Umfeld bieten. Belastete Familien werden durch die Akteure im Bereich frühe Kindheit (z.B. Gynäkolog*innen, Hebammen, usw.) früh erkannt und an das «Netzwerk frühe Kindheit Uri» weitergeleitet, welches ressourcenorientiert, niederschwellig und kostenlos unterstützt und begleitet (Case Management). Die Familien werden bei Bedarf zu bestehenden Angeboten zugeführt oder dorthin begleitet.

Neben der Begleitung geht es dabei auch um die Vernetzung der Urner Akteure im Bereich der frühen Kindheit und um den Auf- und Ausbau deren Früherkennungspotentials.

Entscheid Urner Regierungsrat

Am 13. Dezember 2022 wurde das Konzept des Pilotprojekts «Netzwerk frühe Kindheit Uri» in der Regierungsratssitzung behandelt und vom Gesamtregierungsrat positiv zur Kenntnis genommen. Das bedeutet, dass der Regierungsrat gewillt ist, das Pilotprojekt in den Sozialplan 2024-2027 aufzunehmen. Der Sozialplan 2024-2027 wird im Vorsommer 2023 durch den Regierungsrat beraten und genehmigt und Ende 2023 durch den Landrat behandelt.

Begleitende Evaluation

Gemeinsam mit Gesundheitsförderung Schweiz GFCH plant das Bundesamt für Gesundheit BAG eine begleitende Evaluation des Urner Pilotprojekts. Auch das SEM (Staatssekretariat für Migration) hat sein Interesse am Pilotprojekt und der entsprechenden Evaluation angemeldet. Interprofessionelle Netzwerke im Frühbereich (in Anlehnung an die «Frühen Hilfen Österreich») sind in der Schweiz bisher nicht erforscht worden. Parallel zum Start des Pilotprojektes möchte GFCH und BAG eine begleitende Evaluation lancieren. Von Interesse ist dabei, wie sich die Situation im Kanton Uri mit diesem Pilotprojekt verändert/verbessert, dies evtl. im Vergleich mit Familien, die nicht von einem interprofessionellen Netzwerk profitieren. Die Frage ist also, wie wirksam ein solches Netzwerk ist.

Weiteres Vorgehen

Der Regierungs- und Landrat Uri hat am 13. Dezember 2023 den Sozialplan 2024-2027 genehmigt. Aktuell laufen die entsprechenden Vorbereitungen für einen baldigen Start des Pilotprojekts im 2024.

Gleichzeitig laufen auch die Vorbereitungen, um das Pilotprojekt entsprechend über einen längeren Zeitraum begleitend zu evaluieren. Diese Vorbereitungen geschehen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit BAG und Gesundheitsförderung Schweiz. Ausgeführt wird die begleitende Evaluation durch das Forschungs- und Beratungsunternehmen INFRAS mit Sitz in Zürich.

 

Bruno Scheiber
Programmleiter
«Psychische Gesundheit»

E-Mail
+41 41 874 13 94